Zwei Fachleute besprechen im Baubüro einen Ausdruck neben einem Laptop, im Fenster hinter ihnen ein Rohbau mit Kran
Illustration (KI-generiert)
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Offenlegung: Gewerkton wird von unserem Verlag gebaut — wir entwickeln es selbst und schreiben auf, was wir dabei lernen.

Der Index springt von D1 auf D2, und auf der Baustelle stellt sich immer dieselbe Frage: Was hat sich geändert? Wer keinen CAD-Arbeitsplatz hat, legt zwei Ausdrucke übereinander und hält sie gegen das Fenster. Gewerkton Studio soll das im Browser erledigen. Laut Website öffnet Studio Plansätze im Browser und hängt Belege an den richtigen Ort. Was die Beta heute kann, zeigt ein Prüflauf mit Beispieldateien vom 3. Oktober 2026: Planstände vergleichen, IFC-Modelle prüfen, Mängel an Raum und Bauteil hängen.

Zwei Planstände übereinander

Beide PDF-Stände werden zusammen importiert, den Index erkennt Studio am Dateinamen. Über „Planstände vergleichen“ werden alter und neuer Stand gewählt. Das Ergebnis ist ein Overlay: der alte Stand rot, der neue blau, deckungsgleiche Linien dunkel. Ein Regler stellt die Deckkraft des alten Stands ein. Studio sagt selbst, was das Overlay ist und was nicht: ein visueller Vergleich ohne semantische Änderungserkennung. Studio zeigt, wo Linien abweichen. Was die Abweichung bedeutet, beurteilen Bauleitung und Gewerk.

Im Beispielprojekt, einer fiktiven Wohnanlage mit Haus A und Haus B, stecken drei absichtliche Änderungen. In Haus B sitzt die Wand zwischen Bad und Schlafen 1,00 m weiter rechts, in Haus A wird aus dem Raum „Arbeiten“ der Raum „Gast“, und im Schriftfeld steht der neue Index. Alle drei sind im Overlay rot und blau zu sehen. Per Knopf lässt sich das Bild als PNG herunterladen und als Nachweis ablegen. Derselbe Vergleich beantwortet auch eine zweite Frage: ob ein Scan zum Original passt. Ein Vektor-PDF und sein gescannter Zwilling liegen im Overlay fast deckungsgleich.

Visueller Plan-Diff in Gewerkton Studio: Grundriss Haus A und Haus B, alter Planstand rot und neuer blau übereinandergelegt, mit Regler für die Deckkraft und Knopf PNG herunterladen
Echter Bildschirm von Gewerkton Studio (fiktive Demo-Daten)

Messen, wenn der Maßstab stimmt

Gerasterte oder englisch beschriftete Pläne bringen keinen erkannten Maßstab mit. Bis kalibriert ist, rechnet Studio mit einem angenommenen Maßstab von 1:100 und kennzeichnet das als reine Vorschau. Kalibriert wird über eine bekannte Maßkette: abfahren, Länge eingeben, im Beispiel steht danach „gewählt 1:100“. Anschließend liefern Strecken- und Flächenmessung echte Maße. Wozu das gut ist, zeigt die Prüfaufgabe im Beispielplan: Die dort eingetragene Wohnzimmerfläche passt nicht zur Zeichnung, und genau solche Fehler fallen beim Nachmessen auf.

Im Prüftisch erfassen Gewerke eigene Aufmaße auf dem kalibrierten Plan, etwa als Polygonfläche mit eingetragenem Gewerk; die Aufmaßliste geht als CSV hinaus. Ehrlich angemerkt: Die Website führt das Messen im Maßstab noch unter „In Arbeit“. Im Live-Studio lässt es sich bereits nutzen, die Maßkontrolle trägt dort das Kennzeichen Beta.

IFC-Modell öffnen, ohne etwas zu installieren

Für PDF-Pläne sagt die Website: „Kein Zusatzprogramm und keine Installation auf dem Rechner der Bauleitung.“ Im Live-Studio gilt das auch für Modelle. Über „Modell importieren“ wird eine IFC-Datei gewählt, nach wenigen Sekunden steht das Gebäude in 3D. Unter „Modellstruktur und Räume“ lässt sich ein Raum oder ein Bauteil anklicken, das Studio im 3D markiert. „Modelldaten prüfen“ öffnet die Eigenschaftstabelle und die Bauteilsätze, also Eigenschaften und Mengen; die Bauteilsätze lassen sich nach Geschoss oder Typ ansehen, um Mengen zu vergleichen.

Auch ein Rechner ohne Grafikbeschleunigung kommt mit. Studio meldet dann Softwaregrafik und reduziert die Auflösung von selbst; im Prüflauf lag selbst das größere Bürogebäude nach wenigen Sekunden im 3D. Wer nur Daten prüfen will, pausiert das 3D, dann läuft die Prüfung schneller.

Gewerkton Studio mit dem IFC-Modell eines Bürogebäudes in 3D, Hinweis auf erkannte Softwaregrafik und rechts der Bereich Modelldaten prüfen mit Eigenschaftstabelle und Bauteilsätzen
Echter Bildschirm von Gewerkton Studio (Beispielmodell: IAI / KIT)

Bevor ein Modell weitergegeben wird, hilft „Austausch prüfen“. Studio zeigt dort die Prüfsumme der Originaldateien und Eckdaten des Modells. Am kleinen Beispielhaus meldet es das Schema IFC4, die Längeneinheit Meter, 103 Bauteile und 0 doppelte GlobalIds. Mit „Revision vergleichen“ wird ein Modellstand gespeichert und später gegen eine neue Fassung gehalten. Auch hier nennt Studio die Grenze selbst: Verglichen werden Metadaten und gelesene Eigenschaften, keine Geometrie.

Belege am richtigen Ort

Der eigentliche Zweck von Studio liegt in der Zuordnung. Studio liest laut Website die Beschriftung im Plan und schlägt Räume vor; bestätigt oder korrigiert, hängen ab da Belege am richtigen Ort. Ein diktierter Mangel wird dem Raum zugeordnet, aus dem er stammt. Die Website fasst das Zusammenspiel mit der Baustellen-App so: „Draußen wird diktiert, drinnen wird zugeordnet. Field und Studio arbeiten am selben Projekt, nicht an zwei Kopien davon.“

Im Modell geht das bis zum Bauteil. Ein Mangel, der bei gewähltem Bauteil angelegt wird, hängt am IFC-Bauteil, die Pins schweben im 3D über dem Gebäude. Kollisionen aus einer Kollisionsprüfung kommen als BCF-Datei herein und erscheinen als Mängel am jeweiligen Bauteil, mit Priorität und Frist. Unter „Koordination“ werden sie über Arbeitsliste und Statusboard verteilt und nachverfolgt. Selbst berechnet Studio Kollisionen nicht; es übernimmt sie aus der Prüfung anderer Programme.

Gewerkton Studio mit dem IFC-Modell eines kleinen Einfamilienhauses in 3D, Mangel-Pins über dem Dach und rechts der Bereich Modelldaten prüfen
Echter Bildschirm von Gewerkton Studio (Beispielmodell: IAI / KIT)

Im Container, im Büro, auf dem Handy

Studio läuft im Browser und lässt sich auch auf schmalen Bildschirmen bedienen. Auf dem Handy und in schmalen Fenstern gibt die Fokusansicht dem Plan oder dem Modell die ganze Fläche. Gespeichert wird auf zwei Wegen. „Projekt speichern“ erzeugt eine Projektdatei ohne Originale; beim Laden werden PDFs und IFC-Dateien neu zugeordnet. Ein Paket, ebenfalls als Beta gekennzeichnet, enthält Projekt, Prüfung und Originale in einer Datei, sodass der Arbeitsstand ohne Neuzuordnung weitergegeben werden kann. Wer draußen mit Tablet arbeitet, findet in Field eine eigene Planwelt: 2D-Pläne offline, Mangel-Pins mit Transkript-Beweis und einen Versions-Vergleich.

Wie geprüft wurde

Grundlage dieses Beitrags ist ein Prüflauf des Gewerkton-Teams am 3. Oktober 2026 im Live-Studio, gestartet mit „Ohne Plattform weiterarbeiten“. Jeder Lauf begann in einem frischen Browserprofil, automatisiert mit Playwright und Chromium, bei 1440 und 390 Pixel Breite, hell und dunkel. Über alle 66 Läufe gab es keinen horizontalen Seitenüberlauf, keine Seitenfehler und keine einzige Schreibanfrage an den Server. Die Arbeit blieb im Browser. Das passt zu einer Fähigkeit, die die Website unter „Schon gebaut“ führt: Das Projekt liegt als Datei beim Betrieb, eine Cloud-Pflicht gibt es nicht.

Die Beispieldateien sind fiktive Demo-Pläne, synthetische Testdateien und frei gegebene IFC-Beispiele des Institute for Automation and Applied Informatics (IAI) am Karlsruhe Institute of Technology (KIT). Kundenmaterial oder echte Werkpläne waren nicht dabei.

Was Studio nicht ist

  • Kein Ersatz fürs Architekten-CAD: Laut Website bleiben Detail- und Werkplanung dort.
  • Keine fertige Wahrheit: Was automatisch erkannt wird, kommt als Vorschlag zum Prüfen. Beim Testplan fand die Wanderkennung aus dem PDF eine diagonale Außenwand und eine dünne Trennwand nicht zuverlässig; das ist bekannt und dient als Prüffall.
  • Nicht alles ist schon „Heute“: IFC-Modus, BCF-Austausch, Planverteilung mit Revisionen und importierte Kollisionen führt die Website unter „In Arbeit“. Im Live-Studio sind frühe Stände einiger davon mit Beta-Kennzeichen zu sehen.

Die Website formuliert die Regel dahinter so: „Was unter Heute steht, läuft. Alles Weitere ist Richtung und keine Zusage und steht erst dann als Funktion hier, wenn es läuft.“

Stand der Beta

Gewerkton ist in der Beta; Studio führt die Website als öffentliche Beta, ebenso Cloud, während Field im Beta-Stand vor der öffentlichen Beta steht. 2026 ist das Beta-Jahr, die allgemeine Verfügbarkeit ist für 2027 geplant und nicht zugesagt. Fähigkeiten unter „Schon gebaut“ sind gebaut und getestet, bei einem Kunden im Einsatz waren sie noch nicht.

Was Studio heute kann und wohin es wächst, steht auf der Studio-Seite von Gewerkton. Wie draußen diktiert wird, zeigt Gewerkton Field. Zugang gibt es schrittweise über die Warteliste und die Zugangsanfrage auf gewerkton.com.

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