Offenlegung: Gewerkton wird von unserem Verlag gebaut — wir entwickeln es selbst und schreiben auf, was wir dabei lernen.
Beim Rundgang fällt der Mangel auf, festgehalten wird er oft erst später: auf dem Zettel, im Fotoordner des Handys, abends im Baucontainer. Bis dahin fehlen gern der genaue Ort, das zuständige Gewerk oder die Frist. Gewerkton setzt an dieser Stelle an. In Field, der Linie für die Arbeit auf der Baustelle, wird ein Mangel angesagt statt abgetippt, mit Foto belegt und mit einer Frist versehen, solange man noch davorsteht. Was dabei entsteht, ist zunächst ein Vorschlag. Verbindlich wird er erst durch die Freigabe der Bauleitung.
Ein Satz statt eines Formulars
Die Field-Seite auf gewerkton.com fasst den Ablauf so zusammen: „Ein Satz beim Baustellenrundgang wird direkt zum vorausgefüllten Mangel — Gewerk und Frist inklusive.“ Im Rundgang durch die App steht es noch knapper: „Einen Mangel ansagen statt tippen. Gewerkton bereitet das Formular vor.“ Und im nächsten Schritt: „Jeder Mangel landet bei Gewerk, Firma und Frist.“
Für die Bauleitung heißt das: Der Mangel wird nicht nachträglich aus Erinnerung und Fotos zusammengesetzt, sondern dort beschrieben, wo er zu sehen ist. Wer Ort, Gewerk, zuständige Firma und Frist gleich mit ansagt, bekommt ein Formular, in dem diese Angaben schon stehen. Wer etwas davon nicht weiß, lässt es weg und ergänzt es bei der Prüfung.
Schnell-Diktat: ein Mangel, eine Aufnahme
In der Web-App heißt die Funktion Schnell-Diktat, die Überschrift lautet „Mangel sprechen. Prüfen. Erledigt.“ Die Regel dahinter ist bewusst eng: genau ein Mangel pro Aufnahme. Vor dem Start bittet die Seite darum, den Mangel zu beschreiben und, soweit bekannt, Ort, Gewerk, zuständige Firma und Frist zu nennen. Die Sprache der Aufnahme wird vorher gewählt.
Danach wird die Aufnahme transkribiert und in genau einen bearbeitbaren Vorschlag überführt. Die Prüfung durch einen Menschen ist Pflicht. Der Vorschlag lässt sich korrigieren, und erst beim Speichern wird der Mangel angelegt; der Diktat-Punkt ist damit im selben Schritt erledigt. Erkennt das System keinen Mangel, bittet es um eine neue Aufnahme, in der Handlung oder Fehler möglichst konkret benannt werden.
Vor jeder Aufnahme steht die Einwilligung. Die Web-App weist darauf hin, dass das vertrauliche Wort nach § 201 StGB geschützt ist, und lässt bestätigen, dass alle Anwesenden informiert sind und zugestimmt haben.

In der App: Satz, Foto, Frist
In der App für iPhone und Android beginnt der Weg auf der Startseite. Dort stehen „Sprechen statt Tippen“ für eine Sprachnotiz, laut App auch mit Handschuhen, und „Mangel aufschreiben“, Schritt für Schritt mit Raum und Foto. Das Formular fragt „Was ist das Problem?“ und sagt gleich dazu, dass ein kurzer Satz reicht und sofort gespeichert wird, auch ohne Netz.
Die Frist wird nicht eingetippt, sondern angetippt: kein Termin, heute, morgen oder in einer Woche. Genauso die Dringlichkeit: kann warten, normal, dringend. Ist auf dem Gerät gerade ein Raum aktiv, steht er schon im Feld für den Ort. Fehlen Ort oder Übersichtsfoto, empfiehlt die App beides, speichert den Mangel aber trotzdem.

Für Fotos gibt es einen eigenen Weg, „Mangel aus Foto“: bis zu fünf Bilder, die auf dem Gerät bleiben, bis wieder Netz da ist. Daraus entsteht ein Vorschlag, den ein Mensch prüft. Im Mangel selbst hält die App Vorher- und Nachher-Fotos getrennt. Als behoben lässt sich ein Mangel erst melden, wenn auf dem Server mindestens ein bestätigter Nachher-Beleg vorliegt. Eine Sprachnotiz kann direkt am Mangel hängen, sobald dieser einmal abgeglichen ist.
Wenn im Untergeschoss kein Netz ist
Keller, Tiefgarage, Treppenkern: Wo kein Empfang ist, nimmt die App unter „Offline-Sprachbefehle“ trotzdem auf. Die Aufnahme bleibt verschlüsselt auf dem Gerät. Sobald wieder Verbindung besteht, läuft sie genau einmal durch die vorhandene Spracherkennung von Gewerkton. Ein Ausweichen auf eine Cloud-Spracherkennung ist laut App nicht vorgesehen. Zur Wahl stehen vier Befehle:
- „Mangel diktieren“: Das Gesprochene wird nach der Rückkehr ins Netz zum Vorschlag.
- „Foto-Mangel“: erst sprechen, danach das Foto im gewohnten Ablauf.
- „Fertigmeldung“: bleibt bis zur Prüfung ein Vorschlag.
- „Notiz“: den Originalton sicher für später festhalten.
Diktat-Vorlagen für einzelne Gewerke sind optional. Wer frei diktiert, nennt das Gewerk im Satz und prüft danach, ob die Zuordnung im Vorschlag stimmt. Längere Diktate lassen sich im Diktatstapel Abschnitt für Abschnitt durchgehen, freigeben oder verwerfen.
Damit eine lange Aufnahme nicht an einem Funkloch scheitert, legt die App sie in Abschnitten von fünf Minuten ab, sichert jeden Abschnitt mit einer Prüfsumme und löscht ihn auf dem Gerät erst, wenn der Server den Empfang bestätigt hat. Während der Aufnahme zeigt eine Anzeige im Beta-Stand, ob die Sprache klar ankommt. Wird es zu laut, rät sie, näher ans Mikrofon zu gehen, die Lärmquelle abzuschirmen und Wichtiges zu wiederholen.
Das Original bleibt erreichbar
Was auf der Baustelle gesagt wurde, ist Wochen später oft umstritten. Deshalb bleibt bei Gewerkton das Original Teil des Belegs. Auf der Field-Seite heißt es dazu: „Jede Aufgabe verlinkt auf die Originalstelle im Transkript — mit Audio-Nachhören. Bei ‚das habe ich nie gesagt‘ genügt ein Klick.“ Aufgenommen wird nur nach dokumentierter Einwilligung aller Anwesenden.
Gebaut, aber noch bei keinem Kunden im Einsatz, ist die Sprach-Korrektur im Diktat. Verhörte Gewerke, Bauteile und Zahlen lassen sich berichtigen, ohne dass die Originalaufnahme verloren geht. Ebenfalls gebaut ist das Verschluss-Fenster: Bevor eine Schicht geschlossen wird, fordert Field das Foto an, damit belegt ist, was hinter Putz, Estrich oder Decke verschwindet.
Zum Datenschutz schreibt Gewerkton auf der Website, die Transkription laufe ohne externe Sprachdienste. Im eigenen Rechenzentrum verlasse der Mitschnitt das Haus nicht, in der Cloud bleibe er in der EU-Systemumgebung.
Vorschlag ist nicht Entscheidung
Der Grundsatz zieht sich durch alle Bildschirme: Die Software bereitet vor, Menschen entscheiden. Im Mangel-Detail der App steht es wörtlich: Die Freigabe bleibt bei der Bauleitung. Ein angesagter Mangel ist zunächst eine Beobachtung mit Ort, Foto und Frist. Verbindlich wird er erst, wenn die Bauleitung ihn freigibt.
Für den Alltag ist das der praktische Kern. Wer beim Rundgang festhält, was zu sehen ist, verschickt damit noch keine Anordnung an ein Gewerk. Die Bauleitung prüft die Vorschläge, korrigiert, wo die Erkennung danebenlag, und gibt frei. Polier und Gewerke arbeiten danach mit einem Mangel, der Ort, Frist und Beleg schon trägt, statt mit einer Notiz, die erst jemand abtippen muss.
Stand der Dinge
Gewerkton ist in der Beta: 2026 ist das Beta-Jahr, die allgemeine Verfügbarkeit ist für 2027 geplant, aber nicht zugesagt. Field steht im Beta-Stand vor der öffentlichen Beta. Die Apps für iPhone und Android tragen die Version 0.5.0. In einem Gerätetest der Android-Fassung am 3. Oktober 2026 bestanden das Anlegen von Mängeln mit und ohne Netz, das Vorher-Foto und die Sprachaufnahme mit Upload.
Wer Field auf der eigenen Baustelle ausprobieren möchte, kann über gewerkton.com Zugang anfordern. Die Beta-Seite zeigt, wo die einzelnen Linien gerade stehen.